Projekt Schleppkurve

Wahrscheinlich bin ich ein schlechter Autofahrer! Als ich mehrfach Großbritannien besucht habe, brachte mich der Linksverkehr dazu, mich sehr konzentrieren müssen. Vor den GPS-Zeiten habe ich nach dem Weg gefragt, wenn ich mich verirrt habe und – ja – mir sind manche Ecken auf den Campingplätzen für meinen Wohnwagen erheblich zu eng . Manchmal liegen dort ganz gewollt dicke Steine.

Das mit dem Wohnwagen hat etwas damit zu tun, das bei einem SUV der Abstand zwischen dem Kugelkopf der Anhängerkupplung und der Hinterachse sehr klein ist. Das liegt am Böschungswinkel (kann man nachlesen).

Andere Männer haben diese Probleme anscheinend nicht. Manchmal fürchte ich allerdings, dass sie vielleicht nicht ganz die Wahrheit sagen! Auch nicht bezüglich des englischen Linksverkehrs.

Architekten kennen sich mit der Problematik recht gut aus, da sie in vielen Fällen so planen müssen, dass ein Bus, ein Sattelschlepper oder ähnlich große Fahrzeuge durch den Kreisverkehr oder um die Straßenecke kommen müssen, die sie gerade zu Papier bringen. Man spricht dann von der Schleppkurventhematik.

Um einen Eindruck zu bekommen, was meinen Wohnwagen hinter mir macht wenn ich mich nach vorne konzentriere, habe ich mein altes Fernsteuerauto vom Dachboden geholt, neue Akkus gekauft und den Maßstab im Verhältnis zu meinem Auto ermittelt (relevant war der Wendekreis von 11,30 m). Dabei kam ich auf einen relativ exakten Maßstab von 1:11. In diesem Maßstab habe ich einen Anhänger gebaut, dem Auto eine Anhängerkupplung gedruckt und Fahrversuche gemacht. Genau genommen war das Auto etwas zu schnell, aber ein bisschen Spaß muss sein. Was ich dann gesehen habe wollte ich nicht glauben!

Modell 1:11

Der nächste Schritt bestand darin den Modellanhänger auf einem großen Papierstück auf dem Fußboden durch die Kurve zu „locken“ und die Kurben auszumessen. Alles maßstäblich!

Anhängermodell am Zirkel!
Ergebnis auf Papier

Nachdem auch dieser Versuch meinen Fahreindruck und die Versuche mit dem Modell Auto mehr als bestätigten, bin ich noch einen Schritt weiter gegangen. Es gibt eine Software für Architekten, mit denen man die Schleppkurve für beliebige Fahrzeuge ausrichten kann. In meinem Fall war das einfach, weil es hier nur um ein Fahrzeug ging. Es gab für diese Software eine Demo, die für vier Wochen nutzen konnte.

Auch mit dieser Software wurde bestätigt, dass der Wohnwagen sehr stark nach innen zieht. Um es in Worten zu beschreiben: am Beginn der Kurve sind die vier Spuren (2 x Auto, 1 x Wohnwagen) noch parallel.

Beispiel Tankstelle mit Gebäude ‚vor Kopf‘

Nach dem Einlenken beginnt das Gespann damit, viele Spuren zu generieren. Die Räder des Autos generieren vier verschiedene Spuren. Der Wohnwagen zwei weitere. Relevant ist zusätzlich die vordere kurvenäußere Ecke des Autos und die hintere kurvenäußere Ecke des Wohnwagens.
Ab jetzt wird die Spur des Wohnwagens immer enger. Die kurvenäußere Ecke des Wohnwagens wird nach kurzer Zeit unrelevant!

U-Turn mit 20 m Wendekreis

Bei engstem Wendekreis berühren die Fahrräder auf dem Deichselträger nach ca. 135° die Stoßstangen des Autos. Der Haken besteht darin, dass die Spiegel am Auto die Situation überhaupt nicht darstellen können. Im besten Falle hat man eine:n Beifahrer:in, die man mit einer Trillerpfeife oder einem Funkgerät zum Aufpassen absetzen kann.

U-Turn mit 11,30 m Wendekreis!

Bei größeren Wendekreisen, wie zum Beispiel einer Ampel oder einer Straßenabzweigung ist das üblicherweise nicht nötig.

Für mich bestand die Lösung darin, vier Abstands-Sensoren in den Wohnwagen einzubauen. Zwei Stück rechts und links dicht vor den Rädern, zwei Stück rechts und links dicht vor den hinteren Ecken.

Spritzwasserschutz mit Fahrradschläuchen

Die Sensoren sind in den Flaschenkasten in eine Kontrolleinheit verkabelt, die per Funk den Abstand auf ein Anzeigegerät überträgt, dass sich auf dem Armaturenbrett des Autos befindet.

Das System konnte ich im Sommer dieses Jahres intensiv testen. Es ist mehr als nützlich und wenn es auch nur einen Schaden vermeidet, hatte sich gelohnt.

Für Alle und die Family…