Neues vom Wanderwagen 2026

Da mich in den Jahren mehrfach Anfragen zum Wanderwagen erreichten – hier noch ein paar Ideen zur Konstruktion.

Die Idee

Ich hatte mir vorgenommen, den spanischen Jakobsweg zu laufen, bin aber sehr schnell zum Ergebnis gekommen das es viele

 Argumente gibt, die dagegensprechen.

Ich habe immer eine leichte Fotoausrüstung mit dabei, weiter wegen medizinischer Indikation ein Schlafapnoe-Gerät. Das Ganze hat mein Gewicht, das ich transportieren musste, um ein paar Kilo erhöht gegenüber dem, was im Allgemeinen für solche Wanderungen empfohlen wird.

Ebenfalls aus diesem Grund konnte ich mir nicht vorstellen, in einem Massenschlafsaal zu übernachten, sowohl aus Gründen der Diebstahlsicherheit wie auch letztendlich aufgrund der Tatsache, dass ich jemand durch das Gerät stören könnte.

Ich habe mich entschieden, einen der deutschen Jakobswege zu gehen, die Viia Regia. Das ist an anderer Stelle ausführlich beschrieben.

Variante -> Tragen

Die Variante, dass ich mein Gepäck tragen würde, war die erste und

vielleicht hätte ich das sogar geschafft. Der Gedanke, mein Gepäck zu rollen ist, war dann aber fast zwangsläufig.

Variante -> Rollen

Anforderungen

Ich habe mich im Internet nach Wanderwagen umgesehen. Bei den angeboten Modellen oder den Vorschlägen für Selbstbauten hat es aber nicht „gezündet“.

Die Anforderungen sind schnell definiert:

  • leicht
  • kompakt
  • rollbar/tragbar
  • für jede Art von Weg
  • leise
  • preiswert
  • demontierbar
  • mit Bordmitteln reparierbar

Der fertige Wagen blieb knapp unter 2 Kg, trug eine Last von 13 Kg und hat alle Anforderungen erfüllt.

Preiswert liegt im Auge des Betrachters. Der Rucksack ist universal verwendbar – mitrechnen oder nicht?

Präambel

Bei Wanderwagen gibt es sehr unterschiedliche Konstruktionsansätze:

  • einspurig/zweispurig
  • nur rollbar oder auch tragbar
  • das Gewicht
  • die Nutzlast
  • einseitig oder zweiseitig gezogen
  • die Qualität der Wege,
  • die geplante Länge der Strecke

Ich kann daher nicht sagen, dass eine bestimmte Konstruktion (z.B. mein Wanderwagen) grundsätzlich die beste ist. Das muss jeder für sich selbst entscheiden!

Die folgenden Erläuterungen beschreiben daher die konstruktiven Ideen und Details der Umsetzung.

Test

Vor der ersten längeren Wanderung wurde der Wagen lediglich auf einer Strecke von etwa 15 km über Stock und Stein erprobt. 

Es waren keine Mängel erkannt oder vorhersehbar!

Danach ging es unmittelbar auf die mehr als 500 km lange Via Regia. Die Konstruktion musste sich Ad Hoc auf dieser ersten großen Tour in der Praxis bewähren.

Basis

Die Basis ist ein Paddel!

Das Paddel hat den Vorteil, dass es nicht anfällig für eine seitliche Verwindung ist.

Bei Rahmen- oder Leiterkonstruktionen hatte ich Bedenken, das die Verwindung bei unebenem Grund zu viele unkontrollierbare Kräfte aufweist.

Das Paddel bildet im Wesentlichen ein einziges, längliches Trageelement. Daher tritt diese Art der Verwindung nicht auf.

Die seitlichen Kräfte und die Belastung durch das Gewicht werden über die Achskonstruktion aufgenommen.

Die Verstellbarkeit des Paddels bewirkt zusätzlich zwei Dinge.

Erstens kann man das Paddel, wenn man es verlängert, für eine größere Schrittlänge einstellen und kann sich auf dem Platz schaffen, wenn man mit den Stöcken nach hinten schwingt.

Wäre es zu kurz, können die Stöcke dagegen stoßen. Ein zu langes Paddel hat den Nachteil, dass das Gewicht des Rucksacks, der ja vor der Achse liegt, anscheinend wächst.

Damit ist die Längenverstellung nicht nur eine Frage der Ergonomie, sondern gleichzeitig ein Element zur Abstimmung der Gewichtsverteilung.

Damit erfüllt die Verstellung drei Funktionen:

Schrittlänge und Bewegungsfreiheit: Das Paddel kann verlängert werden, damit beim Gehen mit Wanderstöcken genügend Platz für die nach hinten schwingenden Stöcke bleibt.

Anpassung an den Wanderer: Die Länge kann an die individuelle Körper- und Schrittlänge angepasst werden.

Tarierung: Durch die Veränderung der Paddellänge lässt sich die Gewichtsverteilung zwischen Rucksack und Achse beeinflussen.

Nachjustierung unterwegs: Die optimale Einstellung muss nicht vor Beginn der Wanderung festgelegt werden, sondern kann während des laufenden Betriebs verändert werden.

Griff

Knebelgriff

Hier liegt der Vorteil vor allem in der einfachen und flexiblen Verbindung zwischen Wanderer und Wagen: der Knebelgriff kann senkrecht gestellt werden!

Dadurch gibt es am Kontaktpunkt keine harten oder scharfen Kanten, die beim Gehen stören könnten.

Über den Knebel wird ein einfaches Gummielement geführt, das mit einem Karabinerhaken am Gurt des Wanderers befestigt ist.

  • Die Verbindung ist dadurch nicht starr, sondern kann sich etwas bewegen.
  • Die Gummischnur übernimmt zusätzlich eine wichtige Entkopplungsfunktion zwischen Mensch und Wagen.
  • Die Gummischnur kann Bewegungen und unterschiedliche Bewegungsrhythmen teilweise ausgleichen.

Besonders beim Bergabgehen, aber auch beim Gehen auf flachen Wegenverhindert diese Entkopplung, dass der Wagen seine Bewegung unmittelbar auf den Wanderer überträgt.

Der zentrale Gedanke – der Wagen folgt dem Menschen, ohne starr an dessen Bewegungen gekoppelt zu sein.

Fahrwerk

Die Konstruktion der Achsbefestigung besteht aus einer Aluplatte, den Senkkopfschrauben und den verklebten bzw. zweiteiligen grünen Blöcken. Diese werden normaler Weise im technischen Bereich Druckluftleitungen verwendet.

Achse

  • Die Spurweite ca. 43 cm ist ein Kompromiss zwischen schmal genug für einspurige Trampelpfade und ausreichender Stabilität bei schrägem Gelände.
  • Die Achse ist federnd gelagert.
  • Sie kann nach dem Lösen von zwei Inbusschrauben in der Halterung gedreht bzw. neu ausgerichtet werden. Damit lässt sich eine eventuell verbogene Achse einfach korrigieren.
  • Die Achse besteht aus einer Kombination aus 12-mm-Edelstahlrohr und eingesetztem Titan-Vollmaterial. Diese Kombination sorgt für die gewünschte Federwirkung.
  • Schneller Radausbau: Die Räder werden über Scheiben und Splinte gehalten und können dadurch ohne großen Aufwand abgenommen werden.
  • Ersatzsplinte: Auf einer längeren Wanderung sollten Ersatzsplinte mitgeführt werden.

Räder

Die Räder sind von Hudora.

Argumente für Lufträder:

  • Sehr leiser Lauf: Die Luftreifen laufen deutlich geräuschärmer als Hartgummiräder.
  • Geländetauglich: Sie rollen angenehm über unterschiedliche Untergründe – auch Asphalt, Beton und unebenes Gelände.
  • Nachteil: Ein Plattfuß ist grundsätzlich möglich.
  • Pflege: Der Luftdruck muss gelegentlich kontrolliert und angepasst werden.

Der eigentliche Vorteil für den Wanderwagen ist damit nicht nur der Komfort, sondern vor allem die Geräuschreduzierung beim Wandern.

Der Gurt – das „Geschirr“

Ein weiterer konstruktiver Gedanke betrifft die Art des Gurtes. Bei verschiedenen Wanderwagen werden einfache Outdoor-Gürtel angeboten bzw. verwendet, an denen ein Karabiner eingehängt wird.

Für längere Wanderungen hat das aus meiner Sicht einen Nachteil: Ein normaler Gürtel sitzt nicht auf der richtigen Höhe und nicht ausreichend stabil, insbesondere wenn er je nach Wetter über einer Jacke oder ggfs. einem T-Shirt getragen wird.

Aus diesem Grund habe ich den Gurt als Duplikat meines (abnehmbaren) Gurtes vom Ortlieb Rack-Pack bestellt. Das hatte den Vorteil bei einem Schaden Redundanz zu bieten.

Auf den Gurt wurde eine Reihe von Schlaufen aufgenäht. Dadurch konnte der Karabiner des Wagen-Griffs an unterschiedlichen Positionen befestigt werden.

  • Bergauf: Der Karabiner konnte weiter nach hinten gesetzt werden. Dadurch verlief die Zugwirkung angenehmer über die Mitte des Rückens, was bei längeren Anstiegen spürbar komfortabler war.
  • Bergab: Der Wagen konnte seitlich, etwa rechts an der Hüfte, geführt werden. Durch die flexible Verbindung konnte der Wagen dabei seinen eigenen Bewegungsrhythmus behalten und im Griff seitlich hin- und herschwingen.

Mögliche Weiterentwicklung:

Später wurde ausprobiert, die Verstellung nicht mehr durch das Umhängen des Karabiners von Schlaufe zu Schlaufe, sondern über eine Verstellung per Zugseil zu realisieren. Damit sollte sich die Position des Griffs während des Gehens verändern lassen, ohne den Karabiner jedes Mal zu einer vorderen oder hinteren Schlaufe umzusetzen.

Der Rucksack

Ortlieb Gear-Pack 40 Liter – wasserdichter Rucksack mit modularem Tragesystem.

Der Gear-Pack ist ein robuster, wasserdichter Rucksack mit 40 Litern Volumen, der sich durch sein modulares Konzept vielseitig einsetzen lässt. Bei Bedarf können Schulterträger, Hüftgurt, Rückenpolster und Außentasche abgenommen werden, sodass sich der Rucksack auch als Packsack nutzen lässt.

Besonders praktisch ist das Befestigungssystem mit Daisy Chains an Vorderseite und Seiten. Daran lassen sich Zubehörteile wie zusätzliche Außentaschen, Kompressionsgurte, Stockhalterungen oder spezielle Halterungen für Sportgeräte befestigen. Das längenverstellbare Tragesystem und der abnehmbare Brustgurt ermöglichen eine individuelle Anpassung.

Das robuste Material und die wasserdichte Konstruktion waren für diesen die ausschlaggebenden Argumente. Nachteil – durch ausschließlichen Zugriff von oben weniger für einen schnellen Zugriff geeignet.

Aufbau zum Rollen

Der Wanderwagen wird flach auf den Boden gelegt. Der Rucksack wird mit der „Sichtseite“ auf das Paddel auflgelegt. Die angenähte Schürze übernimmt dabei die eigentliche Sicherung des Gepäcks gegen herunterrutschen nach hinten.

Anschließend wird die Schürze von der Achse aus nach vorne über den Rucksack geklappt.

Die Schürze wird mit Sea-to-Summit-Spannseilen befestigt. Ein Längsband führt über den Paddelschaft, zusätzlich sorgen zwei Querbänder für die Fixierung. Dadurch wird der Rucksack sicher auf dem Wagen gehalten.

Bei Schmutz, Staub und Regen wird die Regenhülle über Rucksack und Befestigung gezogen.

Die Außentaschen des Rucksacks bleiben erreichbar. Die Trageriemen des Rucksacks werden mit den Gurten mit festgespannt.

Die Schürze ist im unteren Bereich an der Achse befestigt und besteht aus robustem roten LKW-Planenmaterial. Die Verstärkungen verteilen die auftretenden Kräfte auf eine größere Fläche und verhindern, dass die Schürze an einer Stelle ausreißt.

Umrüstung zum Tragen

Ausgehend von der „Normalsituation“ des Rollens wird das Setup zum Tragen geändert wie folgt:

  • Die Regenhülle wird entfernt
  • Die Spannseile werden nacheinander gelöst und die „umreiften“ Tragegurte geöffnet.
  • Die Spannseile werden wieder befestigt
  • Das Teleskoppaddel wird eingefahren 

Der Rucksack und der Wanderwagen können jetzt als Einheit auf dem Rücken getragen werden.

Handgepäck

Für die Organisation des Handgepäcks gab es zwei Varianten, je nach Trage-/Rollfunktion.

Das Handgepäck bestand aus:

  • Proviant 
  • Ferner 
  • Geld
  • Papieren
  • Fotoapparat 

und eine kompaktes/leichtes Setup zum Kochen, um sich an einem geeigneten Platz einen Kaffee oder eine Suppe zubereiten zu können. 

Für dieses Handgepäck gab es einen ultraleichten Rucksack von Sea to Summit wenn der Wagen rollte.

In dem Rucksack enthalten war ebenfalls eine superleichte Umhängetasche, die man diagonal vor dem Körper tragen konnte wenn der Wagen auf dem Rücken getragen wurde. Der Rucksack kam samt Inhalt in die Umhängetasche.

Wenn Sie dieser Beitrag interessiert hat, schauen Sie doch mal in der ersten Beitrag, der die Entstehung beschreibt.

Herzlich willkommen